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Mittwoch, 24. Juli 2013

KNH Holdibad



Eine Woche lang habe ich in Holdibad verbracht und auf dem Campus von Annemarie gewohnt und in den zwei anderen Holdibads gearbeitet. Holdibad ist nämlich dreigeteilt. Der Campus, das obere christliche Holdibad und das untere hinduistische Holdibad.

Hier wurde ich richtig gebraucht. Zu dritt gingen wir täglich in's Dorf. Chikalmari liegt nicht weit entfernt von Holdibad, weshalb Prokash jeden Tag nach Holdibad kam, um dort mit mir zur Arbeit zu gehen. Je nachdem welches Holsidab dran war. Mit dabei war noch ein Freiwilliger aus Chikalmari, Kamraju.

Prokash arbeitete allein und Kamraju arbeitete mit mir zusammen. Kamraju konnte nur ganz schlecht Englisch sprechen und sehr langsam schreiben. Also hab ich die englischen Fragen so gut es ging auf odiya für ihn übersetzt. Er hat dann mit den Kindern und Familien Kuvi, Matia oder Desiya gesprochen und für mich zurück auf Odiya übersetzt, damit ich alles auf Englisch aufschreiben kann. Ziemlicher Sprachen-Wirrwarr. Ich hab sogar angefangen auf Odiya und Kuvi zu träumen, so sehr haben mich die Sprachen eingenommen.

Abends hab ich dann mit den Mädchen zusammen in Annemaries Haus gewohnt. Das war irre witzig. Sobald die Türen und Fensterläden zu waren, wurden Fotos gemacht, Marshmellows über einer Kerze gegrillt und zu meiner Handymusik getanzt. Ziemlich überrascht war ich wie sehr die Mädchen aufblühen, wenn keiner zuguckt. Normalerweise sind sie immer so zurückhaltend, schüchtern und arbeitsam. Doch diesmal waren sie verrückt und aufgedreht, so waren sie noch nie mit mir.

Dienstag, 23. Juli 2013

KNH Chikalmari



Mit Prokash, der selbst in Chikalmari lebt, habe ich zusammen gearbeitet. Meistens hat Prokash mit den Kindern gesprochen, da diese nur Kuvi, Matia oder Desiya sprechen und ich Odiya recht gut und Kuvi nur zwei Sätze kann. Prokash hat dann für mich zurück auf Englisch übersetzt und ich hab alles fein mitgeschrieben.

Die Arbeit geht aber viel schneller zu machen, wenn Prokash selbst schreibt, weshalb wir dazu übergegangen sind, dass er die Befragungen macht und ich Fotos.
Das war schwierig genug, denn nicht nur das Kind, sondern auch Familie, Haus und Land sollte fotografiert werden. Haus und Land müssen nur noch richtig zugeordnet werden, nachdem das Foto gemacht wurde. Bei den Familien war das Problem, dass nie alle da waren. Sie gehen halt ihrem Alltag nach, der meistens aus Feldarbeit oder Feuerholzsammeln besteht. Morgens vor ihrer Arbeit und abends nach ihrer Arbeit musste ich also die Familien erwischen.

Tagsüber hab ich im LCF-Projekt mitarbeitet. Das LCF-Projekt (Low-Carbon-Farming-Projekt) wird nun auch in Chikalmari eingeführt. Der erste Schritt war schon getan: Eine Liste erstellen, welcher Bauer welches Land besitzt und allen Feldern eine Nummer geben. Nun mussten die Felder selbst noch mit ihrer Nummer versehen werden, was so gemacht wird:  Erst werden Steine weiß bemalt und dann in schwarz die Nummer drauf gepinselt.
Ich bin also mit einem Freiwilligen aus Chikalmari durch die Felder gelaufen und hab fleißig Nummer aufgemalt. Leider war es immer so unglaublich warm und vor 8 Uhr sind wir morgens nie losgekommen. Deswegen hab ich oftmals trotz Hut und Regenschirm einen ordentlichen Sonnenstich kassiert.

In Holdibad sah die Arbeit nochmal ganz anders aus…

Fortsetzung folgt…

Montag, 22. Juli 2013

KNH Dorfleben




Als erstes war ich in Chikalmari. Dieses Dorf besteht aus einer kleinen Straße und es leben so um die 30 Familien dort. Ich wohnte bei einer super-lieben Familie. Sopai wurde mir zugeteilt als „Guide“, um mir alles zu zeigen.  In ihrem Haus hab ich mit manchmal 3 und manchmal mit 10 anderen Mädchen geschlafen. Ich hatte sogar den Luxus eines eigenes Bettes.

Sopais Familie besteht aus 5 Mitgliedern. Sie und ihre Schwester haben ein Haus, welches sie pflegen und dort so gut wie alleine leben und ihre Eltern haben ein Haus. Ihr Bruder schläft mal hier mal da, was nichts Ungewöhnliches ist. Meistens gibt es in einem Dorf ein Haus, wo unverheiratete Mädchen zusammen schlafen und eins für unverheiratete Jungs. Sopais Haus war halt für alle Mädchen des Dorfes. Mittlerweile ist ihr Bruder aber in einer größeren Stadt, um mit Straßenbau Geld zu verdienen.

Ein Haus hört sich jetzt vielleicht für uns groß an, doch ein Haus bedeutet oftmals ein Raum. Küche, Stauraum und Schlafzimmer in einem. Jetzt mag sich der eine oder andere Fragen: Was ist mit einem Badezimmer? – Tja, gibt es genauso wenig wie fließend Wasser. Wasser wird aus einem Fluss geholt in dem man sich auch wäscht.  Für das gesamte Dorf gab es 1 Toilette, die aber keiner außer mir ab und zu benutzt hat.

Da für Sopai der Tag bei Sonnenaufgang beginnt, war ab 4 Uhr morgens Radau im Haus. Neben meinem Bett wurde Mandhia-Mehl gemahlen und Hühner kamen ab und zu rein ins Haus. Einmal hab ich mich richtig erschrocken, als eines an meinem Kopfende anfing herum zu krähen. Es fängt an nach Gekochtem und Feuer zu riechen und jeder geht ins Haus rein und raus wie er mag. Nach zwei Nächten hatte ich mich daran schon gewöhnt und konnte bis 7 Uhr friedlich weiter schlummern.

Auf’m Dorf gibt es Reis – morgens, mittags, abends – und zwischendurch wird ganz viel Mandhia-Pejo getrunken (Wildhirse-Drink, der genauso gesund schmeckt wie er sich anhört). Ich hatte aber ein paar Kekse mit für alle aus dem Dorf, denn die freuen sich schließlich auch über Süßigkeiten und ganz ohne fällt mir auch sehr schwer.

Der Lebensstil hört sich für manche jetzt vielleicht sehr „einfach“ oder „traditionell“ an und es mag von unserem westlichen Standard her schwierig sein, sich all das vorzustellen, doch für diese Menschen ist es normal. Sie leben so und ich habe genauso gelebt.
Zu Beginn mag ich wohl für den einen oder anderen Lacher gesorgt haben, weil ich nicht wusste wie man sich richtig im Fluss wäscht und Sachen neu erlernen musste, doch letztendlich wurde es auch normal für mich.

 Es klingt immer alles so absurd, unvorstellbar und unglaublich, wenn ich das anderen so erzähle oder schreibe. Eigentlich ist es das nicht und ich will ihren Lebensstil weder herabstufen, als idyllisch darstellen, noch mich als toll darstellen, weil ich es geschafft habe genauso zu leben. Ich hoffe ihr versteht, was ich meine, denn es ist schwer die Dinge zu schildern wie sie sind, weil man sie dafür erleben müsste.


Arbeit? Achja – Morgen mehr…